Gezuckertes Zauberreich: Der Garten im Winter
Kälte gehört dazu, Regen und bestenfalls Schnee: Der Winter
steht vor der Tür und das ist gut so. Denn er hat auch seine angenehmen
Seiten: Winterzeit ist Hobbyzeit! In den dunklen Monaten lässt sich
die Wohnung am allerbesten behaglich und dekorativ gestalten. Der Garten
erlebt ebenfalls eine Ruhephase und benötigt weniger Pflege als zu
jeder anderen Jahreszeit. Dabei lädt er zu neuen Entdeckungen ein.
Alles ist mit Raureif überzogen. Pflanzeneigenschaften wie Form, Struktur
oder die Beschaffenheit der Rinde gewinnen an Bedeutung. Selbst Wintermuffel
müssen zugeben: Schneeweiß ist alles andere als langweilig und
steril; der Frost ist ein genialer Dekorateur! Besonders erfreuen sich
junge Familien am Winter, wie eine Allensbach-Umfrage aus diesem Jahr ergab.
Wann immer es möglich ist, heißt es für 71 Prozent der
Familien mit kleineren Kindern Rodeln oder Schneemannbauen im Garten. Mehr
als die Hälfte der Befragten gibt an, mit ihren Kindern bei jedem
Wetter nach draußen zu gehen. Dies ist wichtig, weil viele Kinder
im Winter mehr Zeit vor Fernseher und Computer verbringen und einen aktiven
Ausgleich mehr denn je benötigen. Wo kein solches Gegenprogramm möglich
ist (30 Prozent der Befragten), wurden die Kinder öfter als träge
und nörgelig geschildert.
Was tragen Pflanzen drunter?
Der Garten im Winter hat für Jung und Alt seinen ganz besonderen
Reiz. Die Bäume haben ihr Laub abgeworfen und gewähren einen
Blick hinter die Kulisse ihrer ansonsten grünen Blätterfülle.
Auch die meisten Stauden sind kahl und wirken wie kunstvolle Skulpturen,
wenn ihre vertrockneten Blüten- und Samenstände mit Raureif überzogen
in der Wintersonne glänzen. Es lohnt sich also, Gehölze und Stauden
nicht zu früh zurückzuschneiden! Auch Sonnenhut (Rudbeckia),
Kugeldistel (Echinops ritro) und einige hochwachsende Fetthennen (Sedum)
sind hübsch verziert mit glitzernden Kristallen. Weiß gepudert
schimmern die winter- und immergrünen Gräser. Die Weißbunte
Japansegge (Carex morrowii ’Variegata’) zeigt durch
einen zartweißen Schleier ihre schmalen, dunkelgrünen Blätter,
die am Rand mit cremefarbenen Streifen eingefasst sind. Filigran wirkt
der grüne Atlasschwingel (Festuca mairei) mit langen überhängenden
Blättern. Der Blauschwingel (Festuca glauca) bildet einen halbkugeligen,
blau-grünen Horst im frostigen Beet. An der Hauswand klettert unermüdlich
Wilder Wein (Parthenocissus) empor – nur im Winter sieht man
die filigranen Zweige, die sich an der Wand festhalten. Nicht zu vergessen:
Die winter- und immergrünen Pflanzen sorgen für erfrischende
Farbe im winterlichen Garten und fallen damit mehr denn je auf. |
Schmückende Zweige
Wer glaubt, im Winter finden sich in der Natur nur graue, braune und
grüne Farbtöne, der irrt gewaltig! Neben den Koniferen bringen
auch Laubgehölze Farbe in den winterlichen Garten. Manche Laubgehölze
sind gerade in dieser Jahreszeit besonders attraktiv, weil ihre schöne
Rinde nicht mehr von den Blättern verdeckt wird. Der Sibirische Hartriegel
(Cornus alba ’Sibirica’) hat sehr auffallende rote
Triebe. Ein guter Partner ist der Gelbholz-Hartriegel (Cornus stolonifera
’Flaviramea’) mit seiner leuchtend grüngelben
Rinde. Der Ranunkelstrauch (Kerria japonica) hat dünne, intensiv grüne
Triebe. Aber auch die markanten Strukturen mancher Pflanzen sind im Winter
besonders deutlich zu erkennen. Die Korkenzieher-Weide (Salix ’Tortuosa’)
und die Korkenzieher-Hasel (Corylus avellana ’Contorta’)
zum Beispiel sind wegen ihrer stark gedrehten Zweige ideal für einen
Garten, der auch in der kalten Jahreszeit interessante Impressionen bietet.
Farbspiel zum Jahresende
Zarte Blüten bringen den Garten zum Leuchten. Ab Dezember, manchmal
auch schon ab November, öffnet der Winterschneeball (Viburnum bodnantense)
seine tiefrosa Knospen. Bis zu seiner Hoch-Zeit im März oder April
folgen den ganzen Winter über immer wieder neue, duftende, zartrosafarbene
Blüten. Auch wer verschiedene Sorten der Schneeheide (Erica-carnea-Sorten)
miteinander kombiniert, kann sich während der vierten Jahreszeit immer
wieder an Farbe erfreuen. Die Blütenfarben reichen von reinem Weiß
über Rosa bis zu dunklem Rotviolett. Großen Zierwert haben auch
ihre immergrünen, nadelförmigen Blättchen. Leuchtend gelb
sind die Blütenblätter des Winterjasmins (Jasminum nudiflorum),
die sich bei milder Witterung schon im Dezember zeigen. Wer genauer hinschaut,
für den ist der Winter also alles andere als trist und dunkel. Durch
den Zauber der vierten Jahreszeit wird der Garten zum spannenden Winterwunderland
... und bereitet sich heimlich, still und leise auf das kommende Gartenjahr
vor.
Quelle:
BdB Der Garten bewegt mich - Pflanzen des Monats |